Liedertexte

Alles wird gut

Ich weiß ganz genau, wo´s lang geht und ich bin sehr eloquent
Und kommt von mir mal nichts Schlaues, hab´ ich den Einsatz verpennt
Und auch für dich hab´ ich die passende Lebensweisheit parat
Und die bringe ich auch gleich an, denn ich bin ein Mann der Tat

Ich sage: Alles wird gut, das wird schon wieder
Ich sage: Da musst du durch, das kriegen wird schon wieder hin
Und wenn nicht, dann ist das halt so
Der Kopf der ist meist oben und hinten ist der Po

Und bist du dann mal krank, bedrückt oder gar depressiv
Helf´ ich dir äußerst wirksam, schnell, kompakt und offensiv
Mit einer schlauen Phrase, und das Beste ist daran
An Sprüche dieser Art, komm´ ich gar kostenlos heran

Ich sage: Alles wird gut, das wird schon wieder
Ich sage: Da musst du durch, das kriegen wird schon wieder hin
Und wenn nicht, dann ist das halt so
Der Kopf der ist meist oben und hinten ist der Po

Ich bin ja kein Experte, aber ich hab´s im Urin
Wenn du dich niemals aufgibst, dann kriegste das schon hin
Immer nur den Kopf hoch und den Blick nach vorn
Und wenn du schließlich durch bist fühlst du dich wie neu gebor´n

Und ich hab´ da noch ´n Spruch, mit dem halt´ ich dich auf Trab
Was uns nicht umbringt, das härtet uns nur ab

Ich sage: Alles wird gut, das wird schon wieder
Ich sage: Da musst du durch, du brauchst nur ein bisschen Mut
Alles wird gut, und stimmt das am Ende nicht
Komm´ ich für diese Falschaussage schwerlich vor Gericht

Ich sage: Alles wird gut, das wird schon wieder
Ich sage: Da musst du durch, das kriegen wird schon wieder hin
Und wenn nicht, dann ist das halt so
Der Kopf der ist meist oben und hinten ist der Po
Für den das ist

Angst

Wir haben ein Dach über dem Kopf und drei Mahlzeiten im Bauch
Was wir bei Amazon bestellen, das kriegen wir auch
Wir machen Karies-, Darmkrebs- und Thrombose-Prophylaxe
Und für Unfälle ´ne progressive Gliedertaxe

Wir sind Grippe-geimpft und zahnversiegelt
Haben uns in unserer Sicherheit eingeigelt

Doch ich hab´ Angst, dass die and´re Schlange schneller geht
Angst, dass er nicht mehr so wie früher steht
Ich habe Angst, dass das Essen für die Gäste nicht reicht
Angst, dass das Haupthaar in der Mitte weicht
Ich habe Angst vor dem Dunkelhäutigen mit langem Bart
Angst vor dem Trojaner im Autostart

Ich wär´ ja gern glücklich, doch das geht nicht, denn es könnte ja sein
Dass ich mir Sorgen machen muss

Wir ham´ Sozial- und Arbeitslosigkeits- und Krankenschutz
Und ´ne Scheuermilch für besonders hartnäckigen Schmutz

Wir haben Menschenrechte, Rettungsschirm und Bündnisfall
Und Warnschilder für alles und überall
Doch entspannen können wir uns leider trotzdem nicht
Denn Risikomanagement ist Alltagspflicht

Doch im hab´ Angst, dass mein Arbeitsplatz nicht sicher ist
Und die Digitalisierung unsere Stellen frisst
Ich habe Angst, dass meine Frau mich mit dem Skilehrer betrügt
Und die Kleine, wenn sie sagt, sie kifft nicht, auch schon wieder lügt
Dass Benzodiazepine süchtig machen könnten
Dass es nicht gesund war, was wir uns gestern gönnten

Ich wär´ ja gern zufrieden, doch das geht nicht, denn es könnte ja sein
Dass ich mir Sorgen machen muss

Ich habe Angst, dass unter Umweltschutz der Wohlstand leidet
Angst, dass mein Kind, wenn ich nein sage, mich meidet
Vor ´ner ständig nachlassenden politischen Empörung
Einer posttraumatischen Belastungsstörung
Ich hab´ Angst vor Salmonellen und dem Supergau
Und vor den Stimmungsschwankungen meiner … Nachbarin

Ich wär´ ja gern glücklich, doch das geht nicht, denn es könnte ja sein
Dass ich mir Sorgen machen muss

Ich wär´ ja gern zufrieden, doch das geht nicht, denn es könnte ja sein

Besitzstandswahrung

Wir haben jetzt ein halbes Jahrhundert, doch wir fühlen uns jung
Denken schon an Rente und sind doch auf dem Spung
Haben endlich Geld zu verreisen, aber Fliegen wird jetzt teuer
„Scheiß CO2-Steuer“

Wir sind progressiv, aber doch ein bisschen traditionell
Wollen Fortschritt, aber nicht ganz so schnell
Machen Umweltschutz, doch nicht zu unseren Lasten
Wollen auf dem Weg in die Zukunft nicht hasten

Wir gehen mit gutem Beispiel nur dann voran
Wenn wir sicher sein können, dass andere folgen werden
Sind ja grundsätzlich bereit zu handeln, aber
Immer langsam mit den jungen Pferden

Kinder – lasst uns etwas Zeit
Auch wenn ihr die nicht habt – wir sind halt noch nicht soweit
Kinder – ihr braucht schon mehr Geduld
Denn am Weltuntergang sind immerhin überwiegend die anderen Schuld

Wir sind frustriert, weil die Werte, die wir unser ganzes
Leben lang verfolgt haben plötzlich uncool sind
Manchmal borniert, weil wir an eben diesen Werten
Festhalten wie ein kleines Kind

Wir würden ja gern erwägen, ob es Sinn machen könnte
Uns einmal damit zu befassen, doch das ist
ausgeschlossen, denn wir können uns schließlich
Von unseren Kindern nichts sagen lassen

Kinder – tretet uns in den Arsch
Denn sonst macht sich auch kein Arsch auf den notwendigen langen Marsch
Kinder – treibt uns vor euch her
Denn das Umparken im Kopf fällt dem ein oder anderen ein wenig schwer

Bipolare Polarisierer

[noch nicht veröffentlicht]

Gibst du Protestnoten nicht rasant bekannt
Bist du rasant als Sympathisant verbrannt
Hast du dich nicht schnell genug distanziert
Hast du wohl im geheimen kollaboriert
Allein durch deine Meinung im Gesprächsverlauf
Nimmst du billigend unschuldige Opfer in Kauf

Genderst du zuverlässig von früh bis spät
Oder bist du ein Feind der Diversität
Klebst du dich auf den Asphalt, bis das letzte Auto steht
Oder ist dir ganz egal, dass die Welt untergeht
Bist du für Siedlungen auf palästinensischem Gebiet
Oder etwa Antisemit

Saupreiß oder Barzi, Sozi oder Nazi
Gutmensch oder hart, sie wissen wer du bist
Lasst uns mit Synapsen knapsen
Das spart Energie

Ja, wir sind bi-bi-bi-polare Polarisierer
Wir pflanzen monumentale Mauern mitten in die differenzierte Welt
Wir ha´m als bi-bi-bi-polare Polarisierer
Dir zwei einfache Alternativen zur Auswahl vorgestellt
Du willst entweder dasselbe wie wir oder das Ende der Welt

Fährst du als Umweltaktivist mit Ruderboot in die Staaten
Oder hast du deine Ideale verraten
Baust du mit uns eine Mauer in die Welt
Oder ist dir ganz egal, wer deine Tochter überfällt
Apropos „Mauer“, statt mit dir zu diskutieren
Versuchen wir dich (und uns) zu isolieren

Wer nicht an uns´rer Seite kämpft, ist unser Feind
Das haben wir nicht nur gesagt, sondern auch gemeint
Warum differenziert, wenn es auch binär geht
Für Komplexität ist es zu spät      

Ja, wir sind bi-bi-bi-polare Polarisierer
Wir pflanzen monumentale Mauern mitten in die differenzierte Welt
Wir ha´m als bi-bi-bi-polare Polarisierer
Dir zwei einfache Alternativen zur Auswahl vorgestellt
Du willst entweder dasselbe wie wir oder das Ende der Welt

Ja, wir sind bi-bi-bi-polare Polarisierer
Wir bekämpfen Intoleranz mit Intoleranz und hoffen, dass das hält
Wir sind Mi-mi-mi-mi-minimal-Analysierer
Doch unser Weltbild ist immer dann für uns okay, wenn´s uns gefällt
Du gibst uns Recht oder bist der Antichrist und willst das Ende Welt

Besitzstandswahrung

Neulich hörte ich ´nen Podcast mit Bodo Wartke
In dem er mir aus dem Herzen sprach so in der Art ke…
… nn ich das auch als Liedermacherkollege
Das ein Reim nicht kommt, wenn ich wieder und wieder überlege

Zum Entstehen von Ideen, sagt er da braucht man
Im Kopf ´nen gut gedeckten Tisch mit Kerze drauf und dann
Viel Wertschätzung für alle Einfälle, die kommen
Talent zur Umsetzung sei natürlich unbenommen

Doch sein gut gedeckter Tisch ist wie mir so auffällt
´ne kilometerlange Tafel auf ´m Flugfeld
Und die Kerze scheint mir und das ist mir nicht geheuer
Wie die Spotlights auf der Landebahn, das sogenannte Unterflugfeuer

Sah ich doch neulich auf ´nem Bummel im Park eine Hummel
Da merkte ich, dass in mir, während ich mich da so tummel-
te, ein Vers über eine Hummel in mir keimt
Weil sich ja auf „Hummel“ so vieles Schönes reimt

Doch ich merkte schnell, boa komm, das hat keinen Sinn
Denn das ist im Repertoir vom Bodo ja schon drin
Naja, Insekten gibt´s genug, dacht ich bei mir, doch dann der Schreck
Nö – alles schon weg

Ob nun Liebe, Verlust oder politische Hetze
religiösen Fanatismus und das Grundgesetz e-
y, echt jetzt? Das Grundgesetz? Puh! Das ist hart
Apropos: hart, nicht mal Geschlechtsteile hat er ausgespart

Die Sprachen hat er auch schon alle durch
So reimte er zum Schluss sogar etwas auf „Lurch“
Oder andersrum? Egal? Es ist alles weg, sogar
Die Bartbarbierbarbaren aus Barbaras Rabarberbar

Er brandrodete den Hain der Kreativität
Er ist der Erzrivale unser Originalität
Jeglicher Ansatz wird von ihn im Keim vernichtet
Denn er hat ja schon alles weg gedichtet

Er hat das Feld der Inspiration schon abgegrast
Sein Reim, der steht schon, bevor du die Idee hast
Und wenn ihr beim Reimen nicht schnell genug wart, ge-
-hört die Idee wahrscheinlich längst Bodo Wartke

Ich würd´ ja gerne mit Musik die deutsche Sprache rocken
Doch den See der Kreativität legte er schon trocken
Doch es hilft nix, ich fürchte, es geht mir wie dem Lurch
Tja, da muss ich durch

Doch ein Versuch noch…
Lieber Herr Wartke, bevor ich mich noch länger plage
Trau´ ich mich einfach mal, entschuldnse wenn ich frage
Für ein´ allein sind alle Themen dieser Welt zu viel
Drum würd´ ich mir ersehnen, wir machten einen Deal

Von allen Themen die es gibt, würd´ ich von dreien oder vieren
Mir das Vorrecht an den Reimen reservieren
Mit eben jenen Themen komm ich vielleicht sodann
In Ihr Vorprogramm

Cassiopeia

[noch nicht veröffentlicht]

Das kleine Mädchen mit den pechschwarzen Locken
Strahlt munter den Nachthimmel an
Und das Sternbild des Kleinen Bären strahlt so breit
Zurück wie man nur grinsen kann
Und schaut auf den anderen kleinen Bären
Im Boot, der sitzt auf Ihrem Schoß
Die Nase ganz abgewetzt und das Trikot
Von Latio Rom viel zu groß

Rom, das hat Papa ihr mal erzählt
Lag einst mit Karthago im Streit
Und wo Karthago mal war weiß sie selbst
Die Ruinen sind von zuhause nicht weit

Doch jetzt ist Rom lieb und inzwischen die Hauptstadt
Von genau dem schönen Land
In das sie jetzt reisen, genauer gesagt, auf ´ne
Insel mit ´nem  sehr schönem Strand

Nimm deine Füße hoch, Beya, sagt Mama
Rauf auf den Sitz oder auf meinen Schoß
Sonst weichen deine schönen rosa Schuhe noch durch
Beya merkt, Mamas Sorgen sind groß

Freut sie sich denn gar nicht auf den tollen Urlaub
Den Papa ihnen versprach
Und der Chef von dem Boot, der von Papa das Geld nahm
Ihrem Vater, der sein  Versprechen noch niemals brach

Ihr Papa weiß alles und hat ihr erzählt
Dass der Himmel über sie wacht
Das große W dort oben heißt Cassiopaea
Die gibt immerfort auf uns alle acht
Der große Bär hilft und verjagt alle bösen
Männer mit Gewehren und so
Und Orion, der hat Pfeil und Bogen und
Schießt die alle danach in den Po

Doch die Nacht ist so kalt und so nass und so dunkel
Und nur rum Sitzen macht keinen Spaß
Und das zu große Trikot von Latio Rom
Ist unten auch schon ganz nass
Doch der kleine Bär soll ja nicht frieren, denkt Beya
Und schaut zu Cassiopaea hinauf
Hilf mir, sagt sie, dass der Teddy gesund bleibt
Ich schaue auch jede Nacht zu dir auf

Doch Cassiopaea verblasst, und als der Morgen erwacht
Schwimmt dank Unterlassungs-Progrom
Auf dem glitzernden Wasser der kleine Bär
Mit dem Trikot von Latio Rom

Seine Knopfaugen schauen fragend zum Himmel
Und die Sonne schaut  teilnahmslos zu
Und neben dem Bären schwimmt gleichmäßig schaukelnd
Ein einzelner rosa Schuh

Dein Lächeln

Wir kennen uns seit gefühlten Tausend Jahren
Ich weiß genau wie deine großen Zehen ganz krumm nach innen schauen
Will jede einzelne Erinnerung bewahren
In diesem Sumpf aus Herzblut will ich meinen Turm der Wehmut bauen

Ich bin ein Reisender auf stets verschlungenen Pfaden
Auf der Flucht vor der Erkenntnis stehe ich ständig unter Strom
Wart´ nie aufs WLAN, um mein Update downzuladen
Doch mancher Alltag ohne dich erscheint mir wie ein Palindrom

Ich ging mit dir durch Dick und Dumm an manchen Tagen
Von der Geißel der Vernunft noch nicht gehemmt durch jede Wand
Doch unser Kurzfilmblock hat Längen zu beklagen
Dass da die Hitze unserer Glut ein wenig schwankt liegt auf der Hand

Wir haben alles unterlassen was wir hätten tun sollen
Für eine Kür hat es am Ende nicht gereicht
Doch bist in einer Kammer meines Herzens aufgequollen
Und wenn ich dein Lächeln sehe bin ich geiecht

Wenn ich dein Lächeln seh´ vom Display meines Smartphones
Wenn ich dein Lächeln seh´, dann geht´s mir wieder gut
Dann weiß ich, wir werden glücklich sein, solange es uns gibt

Ich hab´ den Gleichmut mir als sedativ verschrieben
Hab´ zu Komödien geweint und zu Tragödien gelacht
Bin auf dem Teppich und stets hinterm Licht geblieben
Hab´ meinen Lebensmut trotz zahlreicher Blessuren durchgebracht

Doch wenn die Zuversicht sich ausgezählt an die Planken schmiegt
Der Starrsinn schwer verletzt dem Schwermut weicht
Dann weiß ich, dass unter all den bunten Apps Linderung liegt
Zum Überstehen einer Nacht hat´s bisher immer noch gereicht

Wenn ich dein Lächeln seh´ vom Display meines Smartphones
Wenn ich dein Lächeln seh´, dann geht´s mir wieder gut
Dann weiß ich, wir werden glücklich sein, solange es uns gibt

Wenn ich dein Lächeln seh´, verpixelt und verschwommen
Wenn ich dein Lächeln seh´, dann fass ich wieder Mut
Wir tanzen in die Nacht als wenn es keinen Morgen gibt
Und jeden Tag auf´s Neue schauen wir uns an wie frisch verliebt
Wenn es ein nächstes Leben gibt

Dreitausender

[noch nicht veröffentlicht]

Manche Menschen brauchen einen Sack voll Geld
manche reisen ständig rastlos um die Welt
Mit Rücksack im Wanderfieber
andere mögen Busreisen lieber

Manche gehen allein in Haus und Kindern auf
manche bauen sich lieber eine Karriere auf
Manche woll´n beides zusammen
manche wollen Köpfe durch Wände rammen

Alles was ich brauch, ist ein Dreitausender vorm Haus
Alles was ich brauch, ist nur ein Berg vor meinem Haus

Wenn ich zurück schau, seh´ ich Leben voller Sinn
auch wenn ich manchmal gar nicht wusste wer ich bin
Mit vielen Menschen im Herzen
Teilte ich mit Ihnen stets Freude & Schmerzen

Mit jedem Jährchen, das an mir vorüberstreift
Sind die Erinnerungen tief in mir gereift
Und wachsen zu Schätzen
Kein Geld der Welt könnte sie ersetzen

Alles was ich brauch, ist ein Dreitausender vorm Haus
Alles was ich brauch, ist nur ein Berg vor meinem Haus
Alles was ich brauch, ist ein Dreitausender vorm Haus
Und wenn ich keinen finde, mal´ ich mir halt einen aus
Dann seh ich mich auf dem Gipfel stehn

Und frei wie ein Vogel in die Ferne sehn

Warum laufen wir dem Glück stets hinterher
Dabei verfolgt es uns und hat´s dabei recht schwer
Wenn wir das nur verstehen
Bleiben wir vielleicht eine Weile stehen

Alles was ich brauch, ist ein Dreitausender vorm Haus
Alles was ich brauch, ist nur ein Berg vor meinem Haus
Alles was ich brauch, ist ein Dreitausender vorm Haus
Und wenn ich keinen finde, mal´ ich mir halt einen aus

Ich lasse alles hinter mir
Laufe nur im Jetzt und Hier
So kann ich über den Dingen stehn
Und frei wie ein Vogel in die Ferne sehn

Du nimmst meinem Tag die Ecken

[noch nicht veröffentlicht]

Das Leben hat uns eine Abfahrt beschert; die Satteltaschen beschwert
Und dann ´nen Stock in die Speichen geschmissen
Uns von der Promenade geholt, uns´re Welt umgepolt
Alle Sicherungsscheine zerrissen

Du bist wie ein Sonnenstrahl durchmilchgetrübte Scheiben
Ich würd´ mich gerne ganz in dir verstecken
Wenn ich darf würd ich gern so ein, zwei Leben bleiben

Du nimmst meinem Tag die Ecken

Lass uns einfach nur am Fenster stehen und auf die Bäume raus sehen
Siehst du das Eichhörnchen dort drüben im Geäst
Lass uns noch einmal dort Strand entlang gehen, auf die Wellenkämme sehen
Bis der Hagel uns´re Hosen durchnässt

Du bist wie ein Stück Kuchen an einem regengrauen Tag
Lass uns die neue Langsamkeit entdecken
Würdigen, was ich nicht mochte und mit dir jetzt plötzlich mag

Du nimmst meinem Tag die Ecken

Lass uns alle netten Cafés ausprobieren, auf die Auslagen stieren
Mit Käsesahne und nostalgischen Tassen
Lass uns dann und wann nach Stillstand streben, was kann´s Schöneres geben
Als Dinge gemeinsam zu lassen

Du bist meine Boje und mein Auge im Orkan
Wickelst meine Wut in weiche Decken
Der Taschenkompass in meinem Größenwahn

Du nimmst meinem Tag die Ecken

Lass uns auf das Universum bauen; darauf vertrauen
Dass es nicht nur an uns ist, das Schicksal zu lenken
In Unterwäsche Fußball schauen, Eierliköreier kauen
Wir haben keinen Augenblick zu verschenken

Ein Wunsch frei

[noch nicht veröffentlicht]

Du hast zu allem und jedem eine Meinung
Du weißt immer bei allem wie´s funktioniert
Was die beste Strategie für die WM ist
Und wie man Pandemie-Eindämmungspläne am besten konzipiert

Du hast zu jedem Thema stets etwas zu sagen
Wenn auch bar jeglicher Kenntnis dazu
Du gibst stets Antworten, ohne vorher was zu fragen
Vor lauter Reden hörst du vermutlich nicht sehr viel zu

Und wenn ich einen Wunsch frei hätte tue ich ihn hiermit kund
Wenn du keine Ahnung hast dann halt doch einfach mal den Mund

Bist gern mal Bundestrainer, Papst oder auch Kanzler
Durchschaust stets alle Probleme der Koalition
Du siehst auf dem ersten Blick bei Markus Lanz, wer
Hier keine Ahnung hat oder nach deiner Meinung nach ein klein Wenig schon

Du kannst stets alle Kommentare kommentieren
Und selbstverständlich mit fundiertem Sachverstand
Du kannst rasch urteilen ohne Jura zu studieren
Und wer nicht deiner Meinung ist, der hält halt besser mal den Rand

Und wenn ich einen Wunsch frei hätte tue ich ihn hiermit kund
Wenn du nichts Sinnvolles beizutragen hast, dann halt doch einfach mal den Mund

Hast deine eigene Political Correctness
Passt was nicht ganz, ist das halt Intoleranz
Kulturelle Aneignung die cancelst du schell weg, des-
-wegen bist du stets die oberste Moralinstanz

Du hast auf facebook das Recht für dich gepachtet
Auf Instagram die Deutungshoheit abonniert
Du hast das Netz mit deiner Weltsicht überfrachtet
Deinen erhob´nen Zeigefinger sehr zentral positioniert

Und wenn ich einen Wunsch frei hätte tue ich ihn hiermit kund
Wenn du nichts Freundliches mitzuteilen hast, dann halt doch einfach mal den Mund

Und wenn ich einen Wunsch frei hätte tue ich ihn hiermit kund
Wenn du keine Ahnung hast dann halt doch einfach mal den Mund

Eine Kuh

Es ist 5:44 – ich bin schon hellwach
Der Himmel ist purpur-magenta
Meine Lieben schlafen noch, ich mach keinen Krach
Ess noch rasch ein Bisschen kalte Polenta

Dann schwing ich mich aufs Rad und strampele bergan
Trete entschlossen in die Pedale
Die Chance, dass ich die Tour im Urlaub machen kann
Habe ich heut vielleicht zum letzten Male

Achthundert Höhenmeter, und das noch vor dem Frühstück
Und mit Brötchen zurück vor dem Wecker
Selbige hole ich dann später auf der Abfahrt zurück
Nur ohne Kümmel, die schmecken nicht so lecker

Und dann roll´ ich über einen schmalen Trampelpfad
Voll konzentriert, denn links geht’s steil bergab
Plötzlich reiß´ ich an der Bremse, falle fast vom Rad
Und steige ganz, ganz vorsichtig ab

Da steht ´ne Kuh, eine Kuh – mitten auf dem Weg
Eine Kuh, eine Kuh – und nutzt ihr Privileg
Da rum zustehen mit ´nem Dutzend Artgenossen drumherum
Und guckt einfach nur dumm

Da steht ´ne Kuh, eine Kuh – mitten auf dem Weg
Eine Kuh, eine Kuh – und geht einfach nicht weg

Da steht ein Rindvieh und frisst nicht, und macht nicht mal Muh
Und schaut mir einfach nur zu

Ich warte eine Weile gelassen auf dem Weg
Und schaue ich mich nach Hilfe um
Doch die Almen und Pfade sind verlassen und ich heg‘
Den Verdacht, ich muss da drum herum

Und so heb ich meinen Fahrrad den steilen Hang hinauf
seh´ zu dass ich ein, zwei Felsen überbrück
Und kaum bin ich auf der Höhe des Hornviechs und gut drauf
Geht das Tier zwei, drei Schritte zurück

Da steht ´ne Kuh, eine Kuh – vor mir auf den Hang

Eine Kuh, eine Kuh – und mir wird etwas bang´
Dass ich hier immer noch
stehe, wenn die Sonne untergeht
Zum Brötchen Holen ist es dann schon zu spät

Da steht ´ne Kuh, eine Kuh – mit Hörnern oben drauf
Eine Kuh, eine Kuh – ich nehme nicht in Kauf
Dass die mich aufspießt wie einen Torrero und ich dann
Keine Brötchen mehr holen kann

Und dann klingelt mein Handy, ich hoffe auf Hilfe

Und gehe ganz rasch ran
Es ist mein Schatzi und sie fragt mich, ob ich vielleicht dann
Auf dem Rückweg Milch mitbringen kann

Es mag ja sein

Es mag ja sein, dass du alles gar nicht so meinst, wie es die meisten verstehen
Es mag ja sein, dass dir einfach die meisten Lösungen schlicht nicht weit genug geh´
Es mag ja sein, dass du es eigentlich immer nur gut meinst und die Welt halt als Ganzes kapierst
Es mag ja sein, dass auch du hin und wieder mal an sonnigen Tagen frierst

Es mag ja sein, dass du Angst hast und dich die Hilflosigkeit so manchen Tag quält
Es mag ja sein, dass man nicht immer jederzeit … aus Überzeugung wählt
Es mag ja sein, dass du nur Halt suchst und dich manchmal fühlst wie ein Espenblatt im Orkan
Es mag ja sein, dass dein gesamtes Streben mit nach-vollziehbaren Wünschen begann

Es mag ja sein, dass du manchen Menschen auch Liebe entgegen bringst aus vollen Herzen
Es mag ja sein, dass das Selbige dir manchmal aufgeht bei brennenden Kerzen
Es mag ja sein, dass deine Absichten dem ehrenhaft erscheinen, der Rhetorik nicht überbewertet
Es mag ja sein, dass es nicht exakt dasselbe bedeutet, wenn man Parolen nur wiederverwertet

Es mag ja sein, dass so manches verbindende Wort auf dem Weg zur Zunge verendet
Es mag ja sein, dass dich nur deine unüberwindbar erscheinende Tragik verblendet
Es mag ja sein, dass nicht jeder, der sich um sein Vaterland sorgt, immer gleich ein Faschist ist
Es mag ja sein, dass wenn man stets ausgegrenzt wird, irgendwann einmal leicht angepisst ist

Es mag ja sein, dass dein Weltbild Sinn ergeben könnte, wenn man es an den Rändern rendert
Es mag ja sein, dass deine Logik verfängt, wenn man sämtliche Grundannahmen verändert
Es mag ja sein, dass der Dialog das rechte Mittel ist, … um Konsens zu erzielen
Es mag ja sein, dass selbst Kinder, die sich gar nicht mögen, irgendwann wieder zusammen spielen

Es mag ja sein, dass man sich bei Kompromissen in der Mitte treffen sollte
Doch ist die Mitte den noch golden, wenn ich dich schon gar nicht mehr seh´n kann, obwohl ich´s gern wollte
Und dass das milde respektvolle Lächeln mit langsam gefriert lässt sich nicht mehr vermeiden
Und obwohl ich mich redlich bemühe kann ich dich leider nicht wirklich gut leiden

Gretchenfrage

[überarbeitete Version]

In welcher Himmelsrichtung liegt Ost-Westfalen?
Wie schlimm sind Tennissocken in Sandalen?
Fängt ´ne Triangel die dreifache Menge Fische?
Warum saß man früher immer „unterm Tische“?

Ist ein herrenloses Damenrad eigentlich gender?
Warum hängt ein leeres Fahradschloss am Geländer?
Wie rasiert sich eigentlich ein Bartagame?
Wieso ist „dämlich“ kein Kompliment für eine Dame?

Gemini oder Siri – ich kann sie alles fragen
Fall ich in den Graben, fressen mich dann tatsächlich die Raben?

Warum sind Fixkosten grade für Junkies problematisch
Warum riecht es in der Unterführung aromatisch
Kriegt auch ein Meteorologe manchmal kein Hoch
Wieso krieg´ ich nicht mehr Geld, soviel ich auch maloch

Warum ging die WM 22 nach Katar
Warum sind die Silberfische eigentlich immer noch da
Ist es schlimm, wenn ein Pfandleiher die Freundin versetzt
Wieso fühl ich mich im Löwenkäfig immer so gehetzt

Aber eine Antwort wissen sie alle nicht
Und die hat für mich das allerhöchste Gewicht

Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb?

Sind auch Pornostars manchmal das schwächste Glied der Kette
Wieso heißen auch unfreundliche Frauen Annette
Wieso gehe ich immer später als geplant ins Bett
Bin ich nur manchmal leicht gereizt, oder ist das schon Tourette?

Worüber freut sich Bolle eigentlich ständig
Wieso kenn ich Lieder von Helene Fischer auswenig
Hat ein Analphabet Spaß an ´ner Buchstabenstuppe
Und wieso quietscht eine Gummipuppe

Und werden die Fragen dann schließlich ein wenig komplexer
Frage ich lieber mal ChatGPT oder Alexa

Gibt´s die Bibel eigentlich auch als mp3
Warum ist der Zonk immer hinter Tor 2
Muss ich zum Hautarzt, wenn mich der Affe laust
Und wer schrieb eigentlich Goethes Faust?

Sag mir, warum ich im Kino immer zweimal muss
Und gibt es eigentlich noch den Nato-Doppelbeschluss
Wieso fällt ein Honigbrot immer auf die Honigseite
Wie bin ich stets am Monatsende pleite

Und wie ist eigentlich das Klima in Fukushima
Ich krieg auf alles eine Antwort, und das find ich prima – nur auf eine nicht…

Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb?

Warum ist Weihnachten immer nur einmal jährlich
Warum ist der Männerschnupfen so gefährlich
Kann man Katzenfutter auch mit Mäusegeschmack kaufen
Warum riechen Füße, während Nasen dafür laufen

Warum führen so viele Wege nach Rom
Warum schwimmen nur tote Fische mit dem Strom
Warum klebt Alleskleber nicht am Inneren der Tube
Warum sitzt das Häschen in der Grube

Und wer zum Geier hat nun an der Uhr gedreht
Warum sind Gesprächspausen immer länger, wenn man gerade bläht

Warum gibt’s kein WLAN in der Telefonzelle
Warum gibt´s bei jedem Schluck Kaffee im Zug ´ne Weichenschwelle
Warum sammelt sich Oropax immer in der Ritze
Und wieso lacht keine über meine Witze?

Gibt’s Facebook eigentlich auch anonym
Gibt es noch ein anderes Wort für „Synonym“
Sag mir, was sich hinter einem Delkredere verbürgt
Und welche Farbe nimmt ein Schlumpf an, wenn man ihn würgt

All die Antworten hierauf intressier´n mich nicht die Bohne
Deshalb frag ich dich vielleicht mal selbst, wo ich schon bei dir wohne

Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb? Hast du mich noch lieb?

Halt mich nicht auf

Manchmal bin ich in Gedanken schon an der nächsten Kreuzung und gefühlt schon fast am Ziel
Denn ein kleiner Abstecher auf dem Weg hat mir meinen Zeitpuffer geklaut, manchmal mache ich zu viel
Drum gilt: Geschwindigkeitsbegrenzungen niemals unterschreiten, sonst kommt alles nicht mehr hin
Denn ich bin schon 5 Minuten hinterm Zeitplan zurück, doch: noch ist alles drin

Doch da seh´ ich schon, in zweihundert Metern tut sich eine große Parklücke auf
Und dann die Bremslichter eines Opel Ascona, und das Schicksal nimmt seinen Lauf

Wer nicht einparken kann, sollte eigentlich schon per Gesetz nur Mini fahren
Doch stattdessen lenken die schlechtesten Autofahrer SUVs in Scharen

Halt mich nicht auf – ich hab´ doch keine Zeit
Halt mich nicht auf – der Weg ist noch so weit

Noch schnell was im Drogeriemarkt besorgen – zwei, drei Teile und dann schnell weg
Doch der Sinn in der Sortierung hier bleibt mir verborgen – hier find ich nichs, so´n Dreck
Und in jedem Gang, in den ich einbiegen will, kommt mir wer entgegen
Und so brauche ich für zwanzig Meter Luftlinie gefühlte zwei Stunden, ich könnt mich …

Wer nicht weiß, was er will, der sollte erstmal draußen bleiben und überlegen
Dann könnten sich wenigstens alle anderen im Laden halbwegs frei bewegen

Halt mich nicht auf – es muss doch weiter geh´n
Halt mich nicht auf – ich bleibt ungern steh´n

Manchmal bin ich in Gedanken schon beim nächsten Termin: fünf Minuten Wegezeit
Sind eingerechnet, bleiben 15 Minuten absolutes Limit – ich bin bereit
Argumentationskette sicher am Start, Einwandbehandlung auf Autopilot
Doch dann fragt jemand: Könnten Sie mir das nochmal kurz erläutern, und dann seh´ ich rot

Man sollte seinen Gesprächspartner immer gedanklich abholen, wo er grad steht
Doch dazu müsste ich im Kopf nochmal ein paar Schritte zurück und dafür ist es zu spät

Halt mich nicht auf – ich hab´ doch keine Zeit
Halt mich nicht auf – der Weg ist noch so weit

Ich renne rasch voraus, und muss dann doch auf alle warten
Hetze rasch zurück und kann nochmal von vorne starten

Halt mich nicht auf – es muss doch weiter geh´n
Halt mich nicht auf – ich bleibt ungern steh´n

Mein Blutdruck ist systolisch schon fast auf 150 – diastolisch schon bei 100
Wenn ich gleich hier und jetzt ein Schlag bekomme, wär´ ich nicht einmal verwundert

Mein Therapeut sagt, inzwischen hätten sie mich medikamentös ganz gut eingestellt
Und wenn ich hier endlich wieder raus bin gehört mir die Welt

Halt mich nicht auf – ich hab´ doch keine Zeit
Halt mich nicht auf – der Weg ist noch so weit
Halt mich nicht auf – es muss doch weiter geh´n
Halt mich nicht auf – ich bleibt ungern steh´n

Ich habe Recht

[noch nicht veröffentlicht]

Ich stehe morgens auf, schon hab´ ich Recht
Und dass ich immer Recht hab´ ist mir schon sehr Recht
Denn Recht zu haben ist meist gar nicht schlecht
Das macht das Leben leicht, so habe ich schon viel erreicht – das ist gerecht

Ich habe Recht, wenn ich morgens aufsteh´
Ich habe Recht, wenn ich künstlich aufdreh´
Wenn ich das Kreuzworträtsel in der Zeitung nicht schaffe
Fehlt mir keinesfalls die Geduld, nein, die Zeitung hat Schuld

Ich betrete nur den Raum schon hab´ ich Recht
Und hab´ ich mal nicht Recht, war die Beratung schlecht
Und ich bekomme immer, was ich will
Und wenn ich´s dann mal nicht krieg, so hab ich´s gar nicht erst gewollt – und jetzt seid still

Ich habe Recht, wenn ich Propaganda vorbereite
Oben ohne auf ´nem Pony reite
Mit Dimiri ein paar Rentiere abknalle oder
hin und wieder ein paar Länder überfalle

Alle anderen sind Opfer, ich der Täter
Alle sagen mir, für´s Land wär´ ich sogar ein Wohltäter
Und wer das anders sieht, ist ein Verräter
An mir, am Volk, am Land, da hilft nur Säuberung – der FSB regelt das später

Ich habe Recht, wenn ich westliche Medien beschimpfe
Idealisten verunglimpfe
Doch wie find´ ich heraus, wenn meine Pläne mal nicht gut sind
Und eben mal nicht genial – ach, is´ egal!

Ich habe Recht, wenn ich gegen Wände anrenne
Tolstoi in „Konflikt und Frieden“ umbenenne
Wenn mir dann einer mal sagt: Genosse Vlad

Mir scheint, dass Sie sich vielleicht grad´
Ein klein wenig verrennen, es wär´ schad´
Wenn das Land zugrunde ginge an dieser Tat
Denken Sie doch mal nach über meinen Rat
Das ist auch ganz bestimmt kein Verrat
Ich mein´s doch nur gut mit Vater Staat
Dann hab´ ich darauf keinen Bock – da hilft Nowitschkok

Doch irgendwann mischt irgend so ein Knilch

Mal was davon in meine Milch

Ich habe Recht, wenn ich morgens aufsteh´
Ich habe Recht, wenn ich künstlich aufdreh´
Alle sagen mir, sie brauchen mich als starken Mann (Oh yeah, ich bin der Held)

Ich habe Recht, wenn ich westliche Medien beschimpfe
Idealisten verunglimpfe

Da macht es nichts, dass ich nicht reflektieren kann (Wozu auch?)

Ich habe Recht, wenn ich Propaganda vorbereite
Oben ohne auf ´nem Pony reite
mit Dimiri ein paar Rentiere abknalle oder hin und wieder ein paar Länder überfalle

Ich habe Recht, wenn ich gegen Wände anrenne
Tolstoi in „Konflikt und Frieden“ umbenenne
Doch irgendwann mischt mir mal irgend so ein Knilch

Mal Nowitschok in meine Milch

Immerhin

[noch nicht veröffentlicht]

Stellungskrieg im Treppenhaus, herzbefreite Küsse
XL-Hartschalenkoffer voll zeitloser Verdrüsse
Täglich wächst der Anteil der Dinge ohne ´ne Bedeutung

Geschirrspülerkonflikte und Aufräumdiskussionen
Kleine fiese Siege, die niemals wirklich lohnen
Was weiß ich denn, wo die Liebe liegt, schau doch mal unter der Enttäuschung

Doch zumindest wird es immerhin nicht schlimmer in unserem Leben
In der Beziehung stehen wir für Stabilität
Immerhin wird es nicht schlimmer in unserer Beziehung
Für ein neues Leben ist es doch eh zu spät

Das Handy hilft dabei, nicht die Deckung zu verlieren
Der Fernseher ist nützlich zum Fernwegfokussieren
Für das nette Wort auf meiner Zunge bin ich viel zu müde

Die kleinen Ticks, über die ich schon lange nicht mehr lache
Dass dein Wohl mir am Herzen liegt, ist Gewohnheitssache
Ich könnt jetzt was darauf erwidern, doch das wär zu rüde

Immerhin wird es nicht schlimmer in unserer Beziehung
In der Beziehung … steh´n wir für Stabilität

Doch zumindest wird es immerhin nicht schlimmer in unserem Leben
In der Beziehung stehen wir für Stabilität
Immerhin wird es nicht schlimmer in unserer Beziehung
Für ein neues Leben ist es doch eh zu spät

Doch ich könnte jetzt geh´n – einfach woanders sein
Aufhören alles zu bereuen – und mal nach vorne sehen
Ich könnt einfach geh´n – mich von allem hier befreien
Und einmal wieder bei mir sein – und mal sehen, was geht

Naja, zumindest wird es immerhin nicht schlimmer

Lose Gedanken oder Lust auf Kakao

Ich habe Lust auf Kakao – Denn ich hab´ Frust und ich weiß ganz genau
Dass er hilft, der Kakao, ein bisschen zu vergessen
Dass die Schwiegermutter und der liebe Nachbar mich stressen

Oder der Chef das kommt mir grad noch in den Sinn
Der mir gestern noch erzählte, ich wäre ein Gewinn
Für die Firma, und mir heute verkündet, ich zitiere
Dass ich immer noch nicht wüsste, wie ich richtig delegiere

Und ich frag mich noch, wie rett´ ich jetzt am besten meine Würde
Oder ob vielleicht ´ne kleine Portion Sahne helfen würde
Oben auf dem Kakao mit ´ner kleinen Prise Zimt
Vielleicht ´n  Bisschen zu viel Fett?“ Hm… Okay, das stimmt!

Doch zur Verträglichkeit hilft dann, das wäre nicht dumm
Ein Schlückchen Weinbrand oder ein Schuss brauner Rum
Denn manchmal ist die Ironie der Welt nur schwer erträglich
Und die Auflösung der Bigotterie scheitert meist kläglich

Zum Beispiel Windräder? Na klar, doch nicht vor meiner Tür
Und Toleranz? Immer, doch ich will selbst nichts dafür …
… tun. Verständnis immer nur so lange bis es nervt
Und verbindliche Regeln, bis ihr selber sie verwerft

Aber das ist natürlich kein Widerspruch nur situativ…
… e Kurskorrektur – vielleicht bin ich ja auch naiv
Doch wird auf weiter Flur Wähler-Vertrauen untergraben
Nur um später über Politikverdrossenheit zu klagen

Vielleicht hilft ja zum Kakao ein kleines Stückchen Küchen
Ich geh´ rasch mal zur Vitrin, um eines auszusuchen
Käsesahne mit Walnuss oder besser einen Brownie
Wenigstens etwas Reelles… Da fällt mir ein: Ich bau nie …

… wieder auf Versprechen, die sie uns ständig geben
Denn der Finger, den sie grade noch mahnend erheben
Ob der Menschenrechte, der gehört genau zu der Hand
Die morgen schon Verträge unterschreibt mit ´nem Land wie …

China oder Katar – Denn man muss ja im Dialog bleiben – ja, nee, is klar!
Denn verarschen kann ich mich, bin ich auch sonst nicht der Checker
Auch allein – boa, aber der Brownie ist lecker

Voll schokoladig mit saftigem Kern
Und der Rum hat den Bauch gewärmt, so hab´ ich´s gern
Gegen den Frust geholfen hat es zwar noch nicht so recht
Doch gewirkt hat es schon – denn jetzt ist mir schlecht

Mainstream

[noch nicht veröffentlicht]

Früher waren wir unzertrennlich, und ich erinner´ mich gern zurück
Und ich werde dich irgendwann finden, denn du fehlst zu meinem Glück
Ich war mein Leben lang so blind, doch nun seh´ ich ganz klar
Und zwölf Monate mit dir kommen mir vor, wie ein ganzes Jahr

Ich habe Herzschmerz, Sehnsucht, Fernweh oder Euphorie
Hauptsache, es ist stimmig, denn ansonsten klappt es nie

Mit dem Mainstream – alles, was ich je wollte, bist du
Und Mainstream – ohne dich komm´ ich nicht zur Ruh
Oh, Mainstream, Schlager, Major-Label-Pop
Und mache ich mal mein eignes Ding, dann wird es eh ´n Flop

In vielen fernen Ländern gehe ich ein und aus
Doch komme ich auch immer wieder gern zurück nach Haus
Das Fernweh wird zum Heimweh und auf einmal
such´ ich in meinem Laden ein Bier im Kühlregal

Ich kann Reime, Verse, gängige Harmonien
Und ich helfe euch damit, mal dem Alltag zu entfliehen

Ich und mein Mainstream – schalalalala…
Yeah, Mainstream – du bist so schön berechenbar
Mainstream, Schlager, Larifari-Pop
Ich geb´ es ungern zu, doch ich krieg´ dich nicht aus´m Kopp

Oh, Mainstream – Du bist mein Reim auf Schmerz
Yeah, Mainstream, gehst ohne Scherz ins Herz
Mainstream, Schlager, Kunst-Kommerz
Und einmal in den Charts, geht´s auf dem Konto himmelwärts

Doch ich kann Mainstream nicht so gut, und folglich bleib ich ohne Lobby
Und so bleib ich weiter Angestellter – mit Musik als Hobbys

Ich und mein Mainstream – schalalalala…
Yeah, Mainstream – wir sind so ein schönes Paar
Mainstream, Schlager, Cashflow-Musen-Kuss
Die Botschaft ist jetzt ausgelutscht, drum mach´ ich jetzt mal Schluss

Schokokussbröchen

Sie war so zuckersüß, mit vielen schönen Gaben
Ich hing stets an ihren Fersen, doch sie wollte mich nicht haben
Ich tat, was ich konnte, und das war noch nicht sehr viel
Doch ich war Kleinkapitalist und ich beherrschte das Spiel

Naja, zumindest ein bisschen, mit dem bescheidenen Vermögen
Eines Grundschülers, der dachte, vielleicht wird sie mich ja mögen
Wenn ich ihr besorgte, was sie täglich begehrte
Damit sie nur mit mir zur Pause verkehrte

Ich kaufte ihr ein Schokokussbrötchen
Jeden Tag ein Schokokussbrötchen
Einen Schokokuss in einem Brötchen
Ein Brötchen mit ´nem Schokokuss drauf, eben ein Schokokussbrötchen

Jeden Tag musst´ ich´s mit ansehen: ein Brötchen zerschnitten
Brutal in zwei Teile zersägt – ich hab´ gelitten
Dann die wunderschöne Form mit der perfekten braunen Haut
Lieblos auf der unteren Brötchenhälfte aufgebaut

Und dann brutal zerquetscht, denn der Schaumkuss war zu dick
Wie ein Mahnmal gegen Kolonialpolitik
Zerdrückt zwischen zwei rücksichtslosen weißen Teilen
Hätt´ gern weiter drüber nachgedacht, doch musste mich beeilen

Denn ich kaufte ihr ein Schokokussbrötchen
Jeden Tag ein Schokokussbrötchen
Einen Schokokuss in einem Brötchen
Ein Brötchen mit ´nem Schokokuss drauf, eben ein Schokokussbrötchen

Du warst politisch inkorrekt, drum blieb mir keine Wahl
Dich umzutexten, doch so klingst du nicht mehr original
Du hast den Status eines Weltkulturerbes für mich
Es gibt so viele süße Sachen, doch ich wollte stets nur dich

Und eines Tages dacht´ ich mir: „Scheiß auf Händchen-Halten!“
Ich kann mir meine Pause auch noch selbst gestalten
Dann versuchte ich rasch, ihr süßes Lächeln zu vergessen
Und habe dich einfach selbst aufgegessen

Wenn ich könnte wie ich wollte

Ich fall mit vollgepackten Taschen auf den letzten Drücker in den Bus
Keine Zeit mehr, auf den Plan zu schauen! Bin ich hier richtig? Ach, ich muss…
Rasch den Fahrer fragen, ob ich mit dieser Linie auch übers Zentrum fahren kann
Nach einer dramaturgischen Pause sagt er grummelnd: „Steht doch dran!“

Ich atme tief durch, ich atme tief durch und lächele und denke so bei mir
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Hätt´ ich dem Fahrer empfohlen, mich an die Füße zu fassen
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Hätt´ ich vor´m Durchgehen rasch noch einen fahren lassen
Ich pfeife auf Vernunft und Impulskontrolle

Wenn ich mir vorstelle, ich könnte, wie ich wollte, freu´ ich mich wie Bolle

Ich drängele mich nach hinten durch – ein Kind drückt sich an mein Bein
Und reibt die rotz- und Eis-verschmierte Nase in den Stoff meiner Hose ein
Ich drücke es sanft zurück, die nach Schweiß riechende Mutter schaut böse drein
Und reißt beim Umdrehen mit dem Handtaschenverschluss meine Papiertüte ein

Ich atme tief durch, ich atme tief durch und lächele und denke so bei mir
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Hätt´ ich der Mutter empfohlen, mal ein Deo zu benutzen
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ ich mit dem T-Shirt von dem Bengel meine Hose abputzen
Mit Vernunft habe ich es bisher ganz gut durch den Tag geschafft

Doch Impulskontrolle kostet dauerhaft viel zu viel Kraft

Ich schau den Newsticker auf dem Smartphone an, nur Hass und Leiden in der Welt
Und die Idealisten scheitern wieder an den Kriegsgewinnlern mit dem dicken Geld
Ich schalte um, denn zumindest hier habe ich noch die Wahl
Denn … [variabel aus aktuellen Themen] … ist mir sowas von scheißegal

Ich atme tief durch, ich atme tief durch und lächele und denke so bei mir
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ ich so manches Mal im Stillen Auftragskiller engagieren
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ ich so manchem Autokraten die Testikel amputieren
Ich pfeife auf Vernunft und Impulskontrolle

Wenn ich mir vorstelle, ich könnte, wie ich wollte, freu´ ich mich wie Bolle

Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ im vollen Fahrstuhl alle Knöpfe drücken
Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ ich alle Klimaleugner nach Tuvalu schicken
Mit Vernunft habe ich es bisher auch ganz gut durch den Tag geschafft

Doch Impulskontrolle kostet dauerhaft viel zu viel Kraft

Wenn ich so könnte wie ich wollte
Würd´ ich so manchem Laubbläser mal die Laube weg blasen
Und dass ich das so wollte, obwohl ich es nicht sollte, liegt an meinen RNA–Polymerasen
Als Kind war alles noch viel leichter man konnte auf die Kacke hauen voller Wut

Und nur einmal traurig gucken, dann war´s wieder gut

Wenn ich träumen dürfte

Stehe an der Bushaltestelle und warte auf den Bus
Ich bin dabei nicht sehr geduldig, weil ich eigentlich mal muss
Doch er kommt in zwei Minuten, dann noch acht Minuten Fahrt
Plus drei Minuten bis zum Ziel naja, das geht noch grad

Um mich herum vier Silhouetten, doch Gesichter seh´ ich nicht
Denn ich check noch kurz WhatsApp: Ups, die Frau hat Schicht
Dann muss ich heut wohl die Kinder holen und Brötchen kaufen gehen
Ein Blick nach oben irgendwie, schein ich jetzt hier allein zu stehen
Die Silhouetten sind weg – der Bus leider auch

Und ich träume
Ich will ´ne Telefonzelle mit unverkennbarem Harngeruch
Wo das Hörerkabel durchgetrennt ist, wie es sich gehört
Wo genau die Seite aus dem Telefonbuch rausgerissen ist, mit der Nummer, die man gerade braucht

Ich will ´nen Zugabteil, wo das Fenster noch zu öffnen ist
Wo man den Arm rausstrecken kann, um den Fahrtwind zu spüren
Wo man sich fragt, ob man den nun wirklich wieder reinziehen muss
Bevor der nächste Signalmast kommt

264 Mails, 113 in cc, davon 96 Spams – die Chefin findet´s nicht okay
Dass ich die Präsi für den Jourfix für morgen noch nicht hab
Das sind über sechzig Charts, die Frau, die bringt mich noch ins Grab

Das Smartphone singt, meine Frau, sie ist ganz aufgeregt
´ne Mail zum Stellenabbau in der Firma hat sie sehr bewegt
Mein trüber Blick steift kurz das Display: Termin um 14 Uhr
Es ist schon viertel nach zwei, ich glaub, ich muss zur Kur
Wenn du es eilig hat, gehe langsam – so´n scheiß Spruch

Ich will ´ne Telefonzelle mit unverkennbarem Harngeruch
Wo das Hörerkabel durchgetrennt ist, wie es sich gehört
Wo genau die Seite aus dem Telefonbuch rausgerissen ist, mit der Nummer, die man gerade braucht

Ich will´ das Brummen von der Datasette meines 64ers
Das ganze „Srrrrr“ und „Piep“, das einem unmissverständlich sagt
Das irgendwann mal was passiert, wenn man nur geduldig ist
Und wenn nicht, probiert man´s halt nochmal

Xing sagt, Achim hat Geburtstag, schnell noch einen Gruß
Facebook sagt, in der Dorfschänke gibt´s Rhythm and Blues
Im Dorfladen gibt Kürbissuppe – schnell noch teilen
Termin poppt hoch: „Kinder abholen“ muss mich beeilen

Mein Kopf ist immer ein paar Schritte weiter als mein Arsch
Darum fall´ ich auch vornüber aufs Maul auf manchem Marsch
Mein Herz hängt hinterher, ist meist a little bit o late
Ich bin ein progressiver Typ mit Nostalgieaffinität
Für etwas Retro im Fortschritt ist es nie zu spät

Und ich träume
Ich will ´ne Telefonzelle mit unverkennbarem Harngeruch
Wo das Hörerkabel durchgetrennt ist, wie es sich gehört
Wo genau die Seite aus dem Telefonbuch rausgerissen ist, mit der Nummer, die man gerade braucht

Ich will mal wieder, ohne es einzufordern, einen Genitiv
Statt Emojis ein paar Punkte und Kommas, wo sie hingehören
Und wenn ich noch weiter träumen dürfte, vielleicht auf echtem Briefpapier
Von Hand geschrieben und couvertiert

Ich will mal wieder einen Chart-Song mit nur zwei Akkorden
Wo ein Eunuchenchor jeden Hochtöner überreißt
Wo in einem MTV-Video ein Gitarrist beherzt in die Seiten haut
Obwohl in Wirklichkeit das Keyboard spielt

Will mal wieder Scheiße labern können, ohne immer gleich aufzufliegen, ohne dass Gewagte Thesen aufstellen, ohne dass Google sie sofort widerlegt
Mal wieder Wetten eingehen, bei denen die Spannung länger als drei Sekunden hält
Mal wieder unerwischt und hemmungslos phatasieren

Ich bin ein extrovertierter Melancholiker, ein träger Workoholiker
Ein sachlicher Symboliker, ein hellwacher Somnambuliker

Wirbelwind – Tribute to Didi

Ich bin voller Energie, hab tausend Flausen im Kopf
Will alles gleich, weswegen ich noch ´nen Termin dazwischen stopf
Das ist schon theoretisch nicht organisierbar
Da ist mein Zeitgefühl noch optimierbar

Will alle Freunde um mich haben, kein Event verpassen
Inspirationen kommen wie von selbst, ich kann´s nicht lassen
Die ganze Welt zu motivieren
Geh´ ich auch selbst manchmal auf allen Vieren

Ich bin ein Wirbelwind – will alles zur gleichen Zeit
Ich wirbele geschwind – zu allen Schandtaten bereit
Vom Alltag gibt´s dafür dann auch mal Haue

Weswegen ich ganz fest auf eure Freundschaft baue

Noch krasser als mein Bewegungsdrang ist meine Unternehmungswut
Das kostet zwar viel Kraft, doch es tut der Seele gut
Ich glaube an das Leben vor dem Tod
Wenn man mich einsperrt, dann seh´ ich rot

Ich bin ein Wirbelwind – beim Tanzen hält mich niemand auf
Ich wirbele geschwind – nehm´ Kollateralschaden in Kauf
Ich tanze alles aus dem Weg

Während ich über die Dielen feg

Mein Atelier ist mein privates Lummerland
Mein Panama, ´ne Atempause für den Verstand
Hier spielt Kreativität Rock´n´roll
Kleckere ich mit meinen Farben auch alles voll

Ich bin ein Wirbelwind – die Farbe bis unter das Kinn
Ich wirbele geschwind – hier finde ich stets meinen Sinn
Und gibt´s vom Leben dann auch immer wieder Hiebe

So helft ihr mir ganz doll mit einem Stück von eurer Liebe

Ich bin ein Wirbelwind – So sieht man oft nicht wie´s mir geht
So ganz tief in mir drin, wo es nicht nur zum Besten steht
Ihr seht nur einen kleinen Teil vom Ganzen

Vor euren Augen werd´ ich immer weiter tanzen

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